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Pock-pock-pock. Dieses Geräusch hätten wir möglicherweise bis vor wenigen Jahren noch auf allen Straßen hören können, wenn es Thomas Midgley – geboren 1889 in Pennsylvania – nicht gegeben hätte. Es entsteht, wenn in einem Ottomotor das Benzin-Luftgemisch, das in den Zylinder gespritzt wird, von selbst detoniert und nicht durch den Zündfunken geplant zur Explosion gebracht wird. Das kann passieren, wenn das Gemisch bei zu geringer Temperatur durch Kompression im Kolben bereits zündet und nicht dem Takt des Motors folgt.
von Jan Franke
Neben der unangenehmen Geräuschentwicklung führt das auch zu einer verkürzten Lebensdauer des Motors. Thomas Midgley – studierter Maschinenbauingenieur – arbeitete zunächst in der Firma seines Vaters, die im Jahr 1916 schließen musste. Daraufhin nahm er einen Job in der von Charles Kettering geführten Delco an – einem Forschungsunternehmen von GM. Kettering sollte später sagen: “Midgley war die größte Entdeckung die ich in meinem Forscherleben gemacht habe.”. Midgleys Arbeit war von großer Experimentierfreude geprägt, was seine Entdeckungen aber nicht zu Zufallsfunden machte. Das Problem des Motorenklopfens wollte er durch eine Veränderung des damals verwendeten Rohbenzins verhindern. Er wusste, dass er dafür ein Element mit Eigenschaften suchen musste, die man nur in einer ganz bestimmten Region des Periodensystems vorfinden würde. Also experimentierte er gezielt mit diesen Stoffen. Seine Versuche gelangen, als er bei Blei angekommen war und so entwickelte er das Tetraethylblei, das bis 2000 auch noch im Benzin an unseren Tankstellen zu finden war.
Schon in frühen Jahren kam der Erfindergeist des jungen Thomas zum Ausdruck, als er für die Baseballmannschaft seiner High-School, in der er aktiv mitspielte, aus dem Extrakt von Rot-Ulmenrinde ein Pulver entwickelte. Ein Ball, der vor dem Abschlag damit eingerieben wurde, ließ sich besonders gut “anschnippeln” und flog dadurch eine bessere Kurve.
Dieser Einfallsreichtum war erneut von Vorteil, als sich herausstellte, dass verbranntes Tetraethylblei sich im Motor anreicherte und verklumpte, wenn es nicht mit Brom angereichert wurde. Da Brom zu dieser Zeit rar war, entwickelte Midgley ein Verfahren, um es aus Meerwasser zu extrahieren, in dem es in einer Konzentration von 0,00000065 Prozent enthalten ist. Als man in der zweiten Hälfte des 20. Jh. erkannte, dass Blei in der Atemluft zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann, ersetzte es schrittweise durch ungefährlichere Stoffe und veränderte die Motorenkonstruktion.
Nachdem Midgley 1924 einen Erholungsurlaub genommen hatte, um eine Bleivergiftung auszukurieren, wechselte er zu Frigidaire, ebenfalls ein Tochterunternehmen von General Motors. Dort erfand er innerhalb von drei Tagen ein Kühlmittel für Klimageräte und Kühlschränke. Dieses sollte im Gegensatz zu damals genutzten Substanzen weder giftig noch brennbar sein.
Midgley bewies, dass er nicht nur Forscher und Entwickler war, sondern dass an ihm auch ein Unternehmer verloren gegangen war, als es um die öffentlichkeitswirksame Präsentation seines FCKWs ging. Vor einem Publikum, dass einen wissenschaftlichen Vortrag über seine Entdeckung erwartete, demonstrierte er die Ungiftigkeit und Nichtbrennbarkeit des Gases quasi ‘in einem Atemzug’: Er inhalierte eine Portion FCKW und bließ damit einer Kerze aus. Nachdem innerhalb weniger Jahrzehnte ein sich ausdenendes Loch von 25’000km2 in der Ozonschicht über der Antarktis entdeckt wurde, bemerkte ein Historiker, dass Midgley „mehr Auswirkung auf die Atmosphäre hatte als jeder andere Organismus in der Erdgeschichte.“.

Ironischerweise schrieb Midgley bereits 1939, lange bevor die Gefahr von FCKW für die Ozonschicht bekannt wurde, ein Paper, in dem er vorschlug die Ozonschicht zu manipulieren, um das Klima zu beeinflussen.
Im Alter von 55 Jahren erkrankte Midgley an Polio und erfuhr in Folge dessen eine schwere Lähmung. Seinen Erfindergeist büßte er jedoch nicht ein und so baute er eine komplizierte Konstruktion aus Bändern, Seilen und Flaschenzügen mit der es ihm möglich war, selbstständig aus dem Bett aufzustehen und sich in sein Badezimmer sowie sein Büro zu bewegen. Wie auch schon seine anderen Erfindungen barg die Seilkonstruktion ein unerwartetes Risiko: Als Midgley sich am 2. November 1944 in sein Badezimmer begeben wollte, stürzte er und verfing sich so unglücklich in einem Seil, dass er sich selbst strangulierte. Er hinterließ einen Sohn, eine Tochter und über 100 Patente.
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