Putzpläne für Gründerinnen

Am 4. Februar 2013, in Fundstücke, Politik & Recht, von Gastautor

Um die Frage gleich vorweg zu nehmen: Nein, über dieses Thema ist in den vergangenen Tagen noch lange nicht genug gesprochen, geschrieben, diskutiert und lamentiert worden. Eigentlich liegt es ja in der Natur der Sache, dass über Hypethemen wie Schweinegrippe, Wulff, den “Dauerbrenner” Klimaerwärmung, Killergurken oder wahlweise Killererdbeeren nicht genug geschrieben werden kann. Überflüssig ist so ziemlich jedes Wort dazu schon von Anfang an. Was zum Thema gesagt werde sollte hat Birgit Kelle in ihrem Artikel “Dann mach doch die Bluse zu!” treffend auf den Punkt gebracht.

von Jan Franke

Hinzuzufügen bleibt lediglich, dass eine Debatte, die schlechtes Benehmen betrunkener alter Männer auf die gleiche Stufe mit Ehrenmorden, Zwangsprostitution und Vergewaltigung stellt, zu einer Verharmlosung der letztgenannten beiträgt. Überhaupt hat man den Eindruck, dass solche Medienhypes eher zu einer Lähmung führen, wenn es um die Beseitigung der tatsächlichen, substantiellen Missstände geht. Nebeneinkünfte von Politikern müssen weiterhin nicht ausreichend offengelegt werden (aber wenigstens dürfen Müllmänner kein Trinkgeld mehr annehmen), Gurken liegen weiterhin unbehelligt in der Gemüseabteilung und aus globaler Perspektive passiert in Richtung Klimaschutz auch nicht viel. Und unsere Familienministerin kann sich durch Drucken einer Hochglanzbroschüre aus der Affaire ziehen – oder wahlweise, indem sie fordert, Gott solle ab sofort sächlich und nichtmehr männlich sein.

Naja wie dem auch sei – eigentlich wollte ich ja über Frauen als Unternehmer … Moment! Wenigstens in diesem Artikel könnte ich mich mal um korrektes Gendern bemühen: Also eigentlich sollte es um Frauen als Unternehmerinnen … Augenblick – aber das ist ja jetzt ein Pleonasmus (ja, das musste ich googeln) … Also es sollte um Unternehmerinnen gehen. Die machen nämlich immerhin ca. 40% des Gründungsgeschehens in Deutschland aus. Wie kommt es also, dass Mann bei Matching-Veranstaltungen und Elevator Pitches nur selten seine Tanzkarte los wird? So waren beispielsweise beim Thüringer Elevator Pitch 2012 nur 3 von 15 GründerInnen weiblich.

Das liegt daran, dass Frauen anders und seltener gründen, als Männer. Sie sind vorsichtiger und gehen geplanter vor. Das Sicherheitsbewusstsein drückt sich auch in der vergleichsweise hohen Zahl an Nebenerwerbsgründungen aus – etwa zwei Dritteln aller Gründerinnen fahren zunächst lieber zweigleisig. Außerdem fehlt Frauen die typisch männliche Selbstüberschätzung, die es aufgrund der geringen Erfolgsaussichten realistisch betrachtet braucht, um überhaupt so “dumm zu sein”, ein Unternehmen zu gründen.

Neben den verhaltensbedingten Unterschieden gibt es auch solche, die auf Ausbildung und soziale Stellung zurückzuführen sind. So entscheiden sich mehr als die Hälfte aller Frauen für zehn (von insgesamt 90) Berufsgruppen. Dazu zählen einfache Büro- Verkaufs- Reinigungs- und Gesundheitsdienstberufe, die wiederum für eine spätere Gründerinnenkarriere eher wenig Perspektiven bieten. Darüber hinaus bringt die geringere Erwerbstätigkeit von Frauen zusätzlich Erfahrungsdefizite mit sich. Hier hilft möglicherweise der Austausch mit anderen Gründerinnen, um fehlenden eigenen fremde Erfahrungen entgegenzustellen.

Hinzu kommt häufig die Doppelbelastung Familie und Gründungsvorhaben unter einen Hut zu bekommen. Hieraus resultiert die vergleichsweise geringe Arbeitszeit von Gründerinnen: über die Hälfte der selbstständigen Frauen arbeiten höchstens 40 Stunden pro Woche, ein Drittel sogar nur maximal 30 Stunden.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Gründung sind die materiellen Grundlagen. Auch hier sind Frauen häufig schlechter gestellt, machen aber das beste daraus: Mehr als 25% der gründenden Frauen kommen anfangs völlig ohne fremde Sach- und Finanzmittel aus. Nur ein kleiner Teil (11%) braucht Startkapital von über 25’000€. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass Frauen häufiger als Männer im Dienstleistungsbereich gründen. Probleme bei der Beschaffung der (kleinen) Kapitalsummen haben Frauen dennoch: sie können aufgrund unterbrochener Erwerbsbiographien weniger Eigenkapital aufbringen und haben häufig Probleme bei der Kreditvergabe. Letzteres übrigens zu unrecht, da Kreditausfälle bei Frauen seltener vorkommen, als bei Männern.

Um diese Probleme abzufangen und mehr Frauen dazu zu ermuntern, sich selbstständig zu machen, gibt es zahlreiche politische Initiativen. Eine Erklärung, warum genau es sehr wichtig ist, dass viele Frauen selbstständig sind, liefern sie zwar nicht, dafür aber einige hilfreiche Beratungsangebote.

Daneben gibt es auch weniger hilfreiche Dinge, die Frau dann eben geduldig überblättern muss: zum Beispiel einen Putzplan vom Frauenministerium in Brandenburg. Besonders der Punkt “Schlafen” gefällt mir.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Inanspruchnahme von Förderangeboten sollte man sich nicht auf eine “Ghettoisierung” einlassen. Da Frauen keine kognitiven Defizite haben, benötigen sie auch keine Managementkurse speziell für Frauen.Vielmehr bietet der Besuch von Kursen, die sich an eine breite Teilnehmerschaft richten, wertvolle Möglichkeiten zur Vernetzung mit anderen Gründungswilligen. Frauenspezifische Kurse und Förderprogramme werden häufig aufgelegt, um mit EU-Fördermitteln ein paar halbe Stellen zu finanzieren. Aus wissenschaftlicher Sicht gelten sie jedoch als wenig hilfreich.

Insgesamt sind Gründerinnen übrigens nicht weniger erfolgreich, als ihre männlichen Kollegen. Zwar tendieren sie – bedingt durch die Umstände – oftmals dazu, Unternehmen zu gründen, die aufgrund ihrer geringen Größe und schlechten Eigenkapitalausstattung geringere Erfolgschancen aufweisen, wenn man diese Effekte jedoch herausrechnet, dann sind Frauen genauso erfolgreich im Unternehmen gründen, wie Männer.

Mehr Informationen und möglicherweise hilfreiche Angebote für Frauen mit Gründungsvorhaben gibt es auf den Seiten der Gründerinnenagentur.

 

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