Die Gründer von 'Kunstberk' mit Business-Angels im TITV

In Greiz kamen am Mittwochabend ‘Business Angels’ aus ganz Thüringen zusammen, um sich von Unternehmensgründern und solchen, die es werden wollen, deren Unternehmensideen präsentieren zu lassen. Dabei haben die privaten Kapitalgeber eine wesentlich längere Tradition, als es die englische Bezeichnung vermuten lässt.

von Jan Franke

Als Otto Spaleck im Jahr 1869 das erste Unternehmen für Textilmaschinenbau in Greiz aufbaute, herrschten noch raue Bedingungen für Gründer. Ihr Hauptproblem im 19. Jahrhundert war die Kapitalbeschaffung. Industrieinvestitionen waren zu risikoreich für die kleinen Privatbanken und Verschuldung von Privatpersonen galt ohnehin als unehrenhaft.
Gründer mussten sich daher auf eigene Ersparnisse und Darlehen von Freunden und Verwandten stützen. Wenn sie Glück hatten, fanden Sie einen wohlhabenden Geschäftspartner, der einen Teil der Finanzierung für sie übernahm. So ist beispielsweise bekannt, dass Werner von Siemens, die Brüder Mannesmann und Heinz Nixdorf sich als Financiers für neue Unternehmen betätigten.
Was viele nicht wissen: Auch im 21. Jahrhundert ist es für Unternehmensgründer  schwer, das für eine Gründung notwendige Kapital zu beschaffen. “Banken vergeben in einer frühen Unternehmensphase keine Kredite, da das Risiko für sie unüberschaubar ist. „Für große Eigenkapital-Investoren sind sehr junge Unternehmen aber genauso unattraktiv, da sie anfangs recht wenig Geld benötigen und der Prüfaufwand sich nicht lohnen würde.” sagt Frank Siegmund. Er ist Business-Angel und wie viele seiner Zunft, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, genau diese Lücke zu schließen.
“Business Angels sind private Geldgeber, die selbst Unternehmer oder Manager sind oder waren und nun ihrerseits junge Gründer unterstützen wollen. Dabei spielt jedoch nicht nur Geld eine Rolle. Wer dieses Geschäft betreibt, hat etwas mindestens genauso Wertvolles zu vergeben: Jahrelange Erfahrung, Branchenkenntnis und ein umfangreiches Netzwerk”, so Siegmund.
Weil Business-Angels im Gegensatz zu Banken keine Filialen besitzen, in denen sie Kapitalsuchende empfangen , lädt das Thüringer Business Angels-Netzwerk (THÜBAN) Gründer regelmäßig ein, ihre Ideen vor potentiellen Privatinvestoren zu präsentieren. Die Auftaktveranstaltung in diesem Jahr fand im Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland in Greiz statt. Das TITV ist eine wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung, in der von über 60 Mitarbeitern die Kleidung der Zukunft entwickelt wird.
“Dieser Ort ist spannend, weil die hier die in der Region traditionell verankerte Textilfertigung auf Zukunftstechnologien trifft, beispielsweise bei der Entwicklung von Kleidung mit integrierten MP3-Playern oder Handys. Business-Angels tun im Prinzip nichts anderes, indem sie Tradition und Erfahrung mit Kreativität und Fortschritt verbinden.”, sagt Dana Lipka vom THÜBAN. Das Netzwerk wurde vor zwei Jahren gegründet, um Thüringer Unternehmensgründern den Zugang zu Business-Angels zu vereinfachen und damit die Gründungsbedingungen im Freistaat zu fördern.
Die, vor 150 Jahren von Otto Spaleck gegründete Textilmaschinenfabrik hat sich übrigens trotz widriger Umstände durchsetzen können und ist heute ein erfolgreicher internationaler Konzern, der nach der Wende mit zwei Produktionsstätten in seine Heimat Greiz zurückgekehrt ist.



 

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