Mit dem Verkauf der Couponing-Plattform DailyDeal an Google für 114 Mio. US $ sorgten Fabian und Ferry Heilemann im Herbst 2011 für Schlagzeilen in der deutschen Startup-Szene. 2013 kauften die Brüder die Plattform wieder zurück und bauten um DailyDeal eine rasant wachsende Unternehmensgruppe auf. Wir sprachen mit Fabian Heilemann über den Google-Exit, seine Erwartungen an Gründer und welche Rolle französische Waffeln in seiner Entwicklung gespielt haben.



Hallo Herr Dr. Heilemann, bitte stellen Sie sich und Ihre Holding Sky & Sand doch kurz für unsere Leser vor.

FH: Hallo, vorab erst einmal vielen Dank für die Einladung zum Interview! Ich bin Fabian Heilemann, Gründer und Investor aus Berlin.

Gemeinsam mit meinem Bruder Ferry habe ich 2009 DailyDeal gegründet, das Google im September 2011 übernommen hat. Im Februar 2013 haben Ferry und ich DailyDeal zurückgekauft, um den Grundstein zu legen für den Aufbau unserer Unternehmensgruppe.

Unter dem Dach unseres Company-Builders Sky & Sand finden sich heute vier Unternehmen: Neben DailyDeal die E-Business-Agentur Heilemann&Co.,
der Google AdWords Premium KMU-Partner Localize und mit dem Erfurter Tech-Startup pepperbill der technologisch führende Anbieter eines iPad-Kassensystems für die Gastronomie.

Bereits während Ihrer Schulzeit gründeten Sie 2001 gemeinsam mit Ihrem Bruder Ferry Ihr erstes Unternehmen. Um was handelte es sich bei Chichis?

FH: Chichis sind eine französische Waffelspezialität, die wir bei diversen Surf-Aufenthalten in Südfrankreich kennengelernt haben. Einheimische und Touristen standen dort Schlange, um Chichis zu kaufen. Aber in Deutschland waren sie vollkommen unbekannt. Wir dachten uns „Was die Leute im Urlaub gerne essen, werden sie auch zuhause mögen“ und entschieden uns dafür, uns das Rezept und in Paris die nötigen Gerätschaften zu besorgen. Sieben Jahre lang haben wir Chichis in Deutschland verkauft, erst auf Straßenfesten, später dann auf Jahr- und Weihnachtsmärkten mit bis zu fünf Mitarbeitern. Von den Erlösen haben wir Teile unseres Studiums finanziert.

Sie studierten an der Bucerius Law School (Hamburg) mit Auslandsemestern an der Santa Clara University School of Law sowie der Stanford Business School. Im Dezember 2009 begann eine Erfolgsgeschichte, die mit einem der – bis heute –  größten Exits der deutschen Startup-Szene in Höhe von 114 Mio. US Dollar ihren zwischenzeitlichen Höhepunkt fand.  Welche Eindrücke der ersten Monate von DailyDeal sind Ihnen bis heute nachhaltig im Gedächtnis geblieben?

FH: Ich erinnere mich noch sehr gut an die ersten Monate. Es war eine sehr intensive Zeit. Am prägendsten war die enorme Dynamik, mit der sich der Markt und damit auch DailyDeal selbst entwickelt haben. Ich denke hier an den Wettbewerb mit CityDeal und an das enorme, auch kostenintensive Wachstum in den ersten 12 Monaten. Dass Seed-, Series A- und Series B-Finanzierung in ein und dasselbe Jahr fallen, kommt, denke ich, eher selten vor.

Im Sommer 2011 gab es den ersten Kontakt zu Google. Wie kann man sich eine Kontaktanbahnung mit einem Weltkonzern wie Google vorstellen? Erzählen Sie uns doch gerne wie es in den nächsten Monaten weiterging.

FH: Wir waren 2011 auf der Suche nach einem strategischen Partner, der uns nicht nur finanziell, sondern auch durch Reichweite, Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern und technologisch unterstützen sollte. Viele international führende Digital-Konzerne interessierten sich für das Geschäftsmodell und uns als einen der wichtigsten Player in der D-A-CH-Region. Aus den Gesprächen resultierte schließlich die Übernahme durch Google.

Auch rückblickend betrachtet, sind wir mit dieser Entscheidung zufrieden. Google hat uns nicht nur finanzielle Sicherheit gegeben, sondern uns auch sehr geholfen, Strukturen und Prozesse zu professionalisieren. Jeder einzelne Mitarbeiter hat in den anderthalb Jahren mit Google stark an Format gewonnen.

Anfang 2013 haben Sie und Ihr Bruder den Rückkauf von DailyDeal realisiert. Im gleichen Jahr folgte unter dem Dach der Holding die Übernahme von pepperbill (iOS-basierendes Kassensystem) und die Gründung von Localize (Online-Marketing für KMU). Die Startup-Presse sprach vom „Heilemann-Imperium“. Welche Synergien, bzw. USP’s erhoffen Sie sich dabei für die drei Unternehmen?

FH: Sie sprechen es schon an: Wir haben uns bewusst für den Rückkauf von DailyDeal entschieden. Und das aus mehreren Gründen: Wir fühlten und fühlen uns verantwortlich für die Mitarbeiter und haben zudem das enorme Potential erkannt. DailyDeal verfügte schon zum damaligen Zeitpunkt über ein sehr erfahrenes Team, eine gute Reichweite und vor allem über Kontakte zu rund 15.000 größtenteils lokalen Unternehmen.

Diese Assets nutzen wir für den Aufbau der Sky & Sand-Gruppe: Mit Heilemann&Co. geben wir unsere Erfahrung an Digital-Companies und Unternehmen aus klassischen Industrien weiter. Localize und pepperbill profitieren von unseren etablierten Geschäftsbeziehungen zu lokalen Unternehmen.

Als Business Angel Netzwerk in Thüringen haben wir insbesondere die Entwicklung von pepperbill als bm-t finanziertes Startup mit großer Freude zur Kenntnis genommen. Wie sind Sie im vergangenen Jahr auf das Gründerteam um Marcel Mansfeld aufmerksam geworden? Welche Aspekte waren für Sie ausschlaggebend, pepperbill zu übernehmen?

FH: Marcel Mansfeld, einer Gründer von pepperbill, kam bei der Heureka im Frühjahr 2013 auf mich zu. Ursprünglich haben wir über ein mögliches Investment von Heilemann Ventures gesprochen. Im Laufe der Gespräche haben wir aber bald ein Bewusstsein für die enormen Synergien entwickelt, die zwischen pepperbill und unseren eigenen Assets in der Sky & Sand bestehen. pepperbill verfügt über das technologisch beste iPad-Kassensystem und wir haben die nötigen Kontakte und das Knowhow, dieses Produkt bestmöglich zu vermarkten.

Mit Ihrer Beteiligungsgesellschaft Heilemann Ventures sind Sie immer auf der Suche nach spannenden Ideen und aussichtsreichen Projekten. Welche Trends sehen Sie in 2014? Was muss ein Gründer(team) mitbringen, um Sie von einer Beteiligung zu überzeugen?

FH: Wir investieren mit Heilemann Ventures vor allem in Startups mit E-Commerce, SaaS- und B2B-Geschäftsmodell, die nah am Geld sind, also früh erste Umsätze realisieren. Das hat zwei Gründe: Wir erwarten in diesen Märkten besonders hohe Wachstumsraten und wir verfolgen einen interventionistischen Investment-Ansatz: Heilemann Ventures stellt ausschließlich Smart Money bereit. Wir unterstützen Gründer mit Kapital, beratend und durch Heilemann&Co. auch operativ.

Gründer, die uns als Investoren gewinnen möchten, sollten nicht nur mit ihrem Business-Plan, sondern auch persönlich überzeugen können. Wir erwarten, dass Teams erfahren und komplementär sind. Und wir wollen vor allem auch sehen, dass sie für ihre Geschäftsidee brennen und bereit sind, hart für den Erfolg zu arbeiten. Auch deshalb gehen wir nicht auf cold pitches ein. Wer wirklich an einer Zusammenarbeit mit uns interessiert ist, sollte jemanden finden, der ihm ein Intro macht.

2013 wurden verstärkt Rufe nach einem neuen Technologie-Börsensegment („Neuer Markt 2.0“) laut, um Unternehmen in der Wachstumsphase einen leichteren Zugang zu Wagniskapital zu ermöglichen. Wie schätzen Sie das Thema ein?

FH: Die bisher vorgebrachten Argumente für ein neues Börsensegment überzeugen mich nicht. Dabei ist es selbstredend unstrittig, dass es in Deutschland an Wagniskapital mangelt. Ich erachte andere Maßnahmen aber für weitaus besser geeignet, das Investitionsklima zu verbessern und den Innovationsstandort Deutschland dadurch wettbewerbsfähig zu machen.

Ein Verzicht auf die Versteuerung der Erlöse aus Anteils- und Unternehmensverkäufen könnte sich beispielsweise ebenso positiv auswirken wie ein Verzicht auf die Umsatzsteuerpflicht von Management-Fees. Zudem bin ich ein großer Befürworter der Idee, Investitionsfonds nach amerikanischem und französischem Vorbild als mündelsichere Anlageform zu definieren. Hierdurch hätten Lebensversicherer die Möglichkeit, einen Teil des Kapitals in VC-Fonds anzulegen.

Welche Finanzierungsmodelle würden Sie jungen Gründern mit Ihrer Erfahrung grundsätzlich ans Herz legen?

FH: Der Erfolg von Sociomantic hat gezeigt, dass es durchaus auch möglich sein kann, vollkommen ohne Fremdkapital auszukommen. Gerade in wettbewerbsintensiveren Märkten sind Gründer allerdings auf Fremdkapital angewiesen. Hier gibt es in meinen Augen zu Beginn keine Alternative zur Zusammenarbeit mit etablierten, branchenkundigen Business Angels. Sicherlich bieten Crowdinvesting-Portale inzwischen auch die Möglichkeit, schnell an sechsstellige Investitionssummen zu kommen. Die zahlreichen Insolvenzen crowdfinanzierter Unternehmen zeigen aber, dass Crowdinvesting keine Alternative zu Smart Money ist.

Durch pepperbill konnten Sie einen Einblick in das Thüringer Gründerumfeld gewinnen. Das Unternehmen ist dem Standort Erfurt (neben einer Dependance in Berlin) treu geblieben. Welche Vorteile sehen Sie für Erfurt und Jena im Vergleich mit den großen Startup-Metropolen?

FH: In Erfurt und Jena gelingt das Zusammenspiel zwischen Hochschulen und freier Wirtschaft. pepperbill ist hier ein gutes Beispiel: Andreas Stein und Marcel Mansfeld sind Absolventen der FH Erfurt und haben ihr Knowhow mit Unterstützung von Dozenten erfolgreich umgesetzt. An genau diesem Zusammenspiel mangelt es in Berlin noch. Obwohl es drei Universitäten in der Stadt gibt, rekrutiert sich ein Großteil der Gründer unverändert aus Absolventen der WHU.

In einem Interview mit dem VC-Magazin kritisierten Sie, dass Investitionen im Seed- und Angel-Bereich oft mit der Strategie „Spray and Pray“ durchgeführt werden. Welche Tipps können Sie unseren Business Angels mit auf den Weg geben?

FH: Im Gespräch mit dem VC-Magazin habe ich darauf hingewiesen, Investoren seien „gut beraten, sich in Bezug auf die jeweilige Investment-Opportunity eine sehr fundierte Einschätzung zu bilden und unbedingt selektiv vorzugehen“. Business Angels sollten ihr Kapital also nicht vorschnell investieren, sondern die Gründer, ihr Team, ihren Business-Plan und den Markt vorher genau analysieren. Wir haben bei Heilemann Ventures deshalb ein fünfköpfiges Team gebildet, das alle Investmentmöglichkeiten umfassend prüft.

Gestatten Sie uns noch eine letzte private Frage: Sie haben als Mitglied des Deutschen Bundeskaders im Windsurfen an Jugendwelt- und Jugendeuropameisterschaften teilgenommen. Wie häufig schaffen Sie es momentan noch aktiv aufs Board? Womit verbringen Sie Ihre Freizeit?

FH: Viel Freizeit bleibt aktuell leider nicht. Ferry und ich sitzen wieder täglich 12, 14 Stunden am Schreibtisch. Sonntagsnachmittags nehme ich mir aber Zeit, zu lesen. Zudem habe ich vor kurzem meine Pilotenausbildung erfolgreich beendet. Surfen zählt definitiv auch noch zu meinen Hobbys – hierfür bleibt aber meist nur im Urlaub Zeit.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit Sky & Sand!

 

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