Am Ende entscheidet die Qualität des Teams. Der Wert der Idee wird total überschätzt.”, so Martin Sinner im Interview zu seinen Erfahrungen als Gründer und Investor.


Hallo Herr Sinner, bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen idealo kurz für unsere Leser vor.

MS: Ich habe idealo Ende 99  / Anfang 2000 mitgegründet und war bis 2012 operativ als Geschäftsführer mit dabei. Idealo ist mittlerweile in Deutschland Marktführer beim Thema Produkt-Preisvergleich und in vielen Ländern Europas sowohl im Reise-Bereich als auch im Produkt-Preisvergleich erfolgreich.

Wie verlief Ihr Werdegang in die Startup-Szene und welche Meilensteine würden Sie heute besonders hervorheben?

MS: Ich war vor der Gründung im Dienstleistungs-Bereich aktiv. Ich habe gemerkt, dass mir Dienstleister zu sein auf Dauer keinen Spaß macht, sodass ich froh war ein Thema gefunden zu haben für das wir dann auch noch einen Investor finden konnten.

Sie und ihre Mitgründer starteten Idealo Ende des Jahres 2000,  kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Heute ist Idealo Europas größte Website für Preisvergleiche und beschäftigt über 500 Mitarbeiter. Was ist Ihr Erfolgsrezept in diesem dynamischen Umfeld?

MS: Wir haben immer wieder unsere Kern-Hypothesen in Frage gestellt. Da sich unsere Industrie so schnell ändert, ist nichts mehr wie es vor zwei Jahren war. Die Wahrheiten von Gestern sind dann vielleicht nicht mehr wahr. Derzeit gilt es für meine Nachfolger das Produkt ins mobile Zeitalter zu übertragen.

Nach Ihrer Tätigkeit bei Idealo verantworteten Sie gemeinsam mit Kai Diekmann (BILD-Chefredakteur) und Peter Würtenberger (CMO Axel Springer SE) als Axel Springer Silicon Valley Team ein achtmonatiges Research-Projekt im Silicon Valley. Welche Erkenntnisse konnten Sie im Gründermekka sammeln?

MS: Vor allem, dass das Niveau der Gründer im Valley deutlich besser ist. Bei so guten Leuten ist dann auch die Einstellung zum Fehler machen eine ganz andere. Es geht darum seine Fehler schneller zu machen als andere, dann lernt man auch schneller. Letztendlich liegt es auch nicht am Geld, dass es im Valley diese Riesen-Erfolge gibt, es liegt daran, dass das Ökosystem so stark ist und unglaublich viel Talent anzieht, das ständig voneinander lernt.

Im letzten Jahr wurden verstärkt Rufe nach einem neuen Technologie-Börsensegment („Neuer Markt 2.0“) laut, um Unternehmen in der Wachstumsphase einen leichteren Zugang zu Wagniskapital zu ermöglichen. Wie schätzen Sie das Thema ein? Wie groß ist der Nachholbedarf gegenüber dem Valley wirklich?

MS: Wenn so ein Börsensegment hilft das Denken zu verändern, dann wäre das super. Hat aber leider schon mal nicht geklappt. Im Endeffekt fehlt in Deutschland super Konzepten das Geld um in großem Maßstab zu skalieren. Das schafft derzeit nur das Samwer-Umfeld. Ich bin in tollen Firmen investiert wie Returbo oder Miflora, die jetzt einfach nur richtig viel Geld zu einer sehr hohen Bewertung bräuchten, aber immer nur ein bisschen Geld mit sehr niedriger Bewertung bekommen. Das Problem ist, diese Firmen beschäftigen sich zu viel mit Finanzierungsrunden statt richtig extrem zu skalieren.

Als Investor sind Sie u. A. bei ResearchGate, ClubKviar und Scarosso engagiert. Welche Erfahrungen können Sie unseren Lesern, z. B. bei Suche und Identifikation vielversprechender Geschäftsmodelle, mit auf den Weg geben?

MS: Am Ende entscheidet die Qualität des Teams. Der Wert der Idee wird total überschätzt.

Was muss ein Gründer(team) mitbringen, um Sie von einer Beteiligung zu überzeugen?

MS: Vor allem sollte es ein gutes Team sein mit guten Fähigkeiten und relevanten Erfahrungen. Bei Einzelgründern investiere ich gar nicht mehr.

Welche Tipps können Sie Business Angels geben, um zukünftig auf das richtige Pferd zu setzen? Welche Trends verfolgen Sie im Moment besonders gespannt?

MS: Es gibt eigentlich keine Trends, sondern vor allem die Suche die Welt besser und interessanter zu machen. Wenn es einen Trend gibt, dann dass jetzt vieles zusammenwächst. Wir sehen das Zusammenwachsen von Industrie und Internet, das wird Deutschlands industriellen Kern hart treffen. Wir sehen, dass die Fertigung zurück zur Entwicklung kommt. Die Produktion in China bedeutet vor allem Zeitverlust. Also lassen Firmen wie Jawbone oder Apple im Valley produzieren was vermutlich der teuerste Standort der Welt ist. Und wir sehen, dass industrielle Fertigung keine riesigen Maschinen mehr braucht, das ermöglicht weitere Entwicklungen, die sehr stark regional stattfinden werden. Daraus werden sich tolle Ideen entwickeln, hoffentlich auch viele davon in Deutschland.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 

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