Robert Maier


Es ist durchaus spannend, aber manchmal auch anstrengend mit den Samwers zu arbeiten. Sie sind extrem schlau, haben immer wieder gute Ideen und ein super Netzwerk. Aber manchmal weiß man eben leider nicht, ob sie mit oder gegen einen arbeiten.“, so Robert Maier im Interview mit THÜBAN zu seinen Erfahrungen mit den Samwer-Brüdern.

MS: Hallo Herr Maier, bitte stellen Sie sich und LadenZeile/ShopAlike doch kurz für unsere Leser vor.

RM: Unter dem Motto „Alle Shops unter einem Dach“ haben wir 2009 die Visual Meta GmbH gegründet, die u.a. mit den Marken LadenZeile und ShopAlike Shopping-Plattformen in Europa, Asien und Südamerika betreibt. Auf unseren Webseiten präsentieren die Produkte tausender Online-Shops aus den Bereichen Mode, Möbel und Lifestyle. Über unsere Produktsuche finden Nutzer schnell die gewünschten Produkte und können auf einer Webseite die Angebote verschiedener Shops durchstöbern und Preise vergleichen.

Das Unternehmen mit Sitz in Berlin ist Teil der Axel Springer SE, einem in Europa führenden Medienunternehmen. Visual Meta beschäftigt derzeit rund 190 Mitarbeiter und betreibt Portale in 20 Ländern.

MS: Vor der Gründung Ihres Unternehmens waren Sie im Investment Banking von Merrill Lynch und für eine Venture Capital Firma tätig. Wie hilfreich waren diese beruflichen Stationen für den erfolgreichen Start als Entrepreneur?

RM: Geschadet haben diese Stationen sicherlich nicht, aber sie sind keine notwendigen Voraussetzungen. Im Investment Banking habe ich mit hochrangingen Managern Verhandlungen geführt und bei der VC-Firma habe ich Einblicke bekommen Themen wie Bewertungen, Term Sheet und Kapitalerhöhungen. Das war sicherlich hilfreich, um den einen oder anderen Fehler zu vermeiden.

MS: Anfang 2009 gründeten Sie gemeinsam mit Johannes Schaback in Berlin die Visual Meta GmbH. Erzählen Sie uns bitte, wie Sie sich kennengelernt haben und welche Bedeutung die Zusammenarbeit mit Rocket Internet für die Entwicklung der Plattformen hatte.

RM: Kennengelernt haben wir uns über Oliver Samer, Rocket Internet war ja unser erster Geldgeber und wir haben Visual Meta gemeinsam gestartet. Oli kannte Johannes und mich aus anderen Projekten und hat uns dann einander vorgestellt. Die Zusammenarbeit mit Rocket lief gut, wobei wir fast ausschließlich mit Oliver und Alex Samwer zu tun hatten, und im Vergleich zu anderen Startups recht wenig Support brauchten. Der größte Mehrwert von Rocket waren die Kontakte zu Business Angels und VCs.

Es ist durchaus spannend, aber manchmal auch anstrengend mit den Samwers zu arbeiten. Sie sind extrem schlau, haben immer wieder gute Ideen und ein super Netzwerk. Aber manchmal weiß man eben leider nicht, ob sie mit oder gegen einen arbeiten.

MS: Bereits im zweiten Jahr nach der Gründung erreichten LadenZeile/ShopAlike den Break Even und beschäftigten 40 Mitarbeiter. Ein Musterbeispiel für profitables Wachstum – im Vergleich zum „normalen“ Lebenszyklus eines Startups.
Wie konnten Sie das bewerkstelligen?

RM: Unser Geschäftsmodell war von Anfang an auf eine sehr geringe Kostenstruktur ausgelegt. Im Vergleich zu echten Online Shops haben wir keinen Einkauf, kein Lager, keine Logistik und keinen Customer Care (zumindest nicht für Endkunden, sondern nur für unsere Business Kunden, die zahlenden Online Shops).



LadenZeile.de



MS: Ende 2011 übernahm die Axel Springer SE, im Rahmen eines der größten Startup-Exits im deutschsprachigen Raum, gut 75% der Gesellschaftsanteile Ihres Unternehmens. Wie kam es dazu – und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

RM: Ob es sich dabei wirklich um einen der größten Exits handelt kann ich nicht wirklich beurteilen. Ein Axel Springer Tochterunternehmen, Idealo, hat uns übernommen. Idealo ist mit einem ähnlichen Geschäftsmodell wie wir groß geworden. Der Kontakt ist über einen unserer Business Angel entstanden, und vom ersten Kontakt bis zum Verkauf vergingen ca. 1,5 Jahre.

Idealo wird immer noch von einem der Gründer geführt. Dieser versteht unsere Wünsche und Sorgen sehr gut. Daher war und ist die Zusammenarbeit auch gut. Zu Axel Springer direkt haben wir ebenfalls einen guten Kontakt. Axel Springer ist sehr gut darin, Unternehmern ihre Freiheiten zu lassen und den Unternehmergeist in den Firmen zu halten, auch indem sie sich aus dem operativen Geschäft raushalten.

MS: In den letzten Wochen fanden die Börsengänge von Zalando und Rocket Internet statt.  Es handelt sich in der deutschen Internet-Branche  – abgesehen von einigen Telekommunikations-Unternehmen – um die größten IPO’s seit den Zeiten der “New Economy” um die Jahrtausendwende. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

RM: Ich finde die Entwicklung super. Börsen sind sehr wichtig für eine Gründungskultur. Denn sie dienen sowohl als Exitkanal, als auch als Finanzierungskanal. Durch den Exitkanal Börse würde auch mehr Geld in Early Stage Investments fließen, weil diese Frühphaseninvestoren dann bei einem IPO aussteigen können. Gleichzeitig stellen neue Investoren den Firmen dann im Rahmen des IPO hohe Summen für das weitere Wachstum zur Verfügung.

Ein Grund, warum wir in Deutschland so wenige gründergeführte, an Börsen notierte Unternehmen haben, ist, dass ein Börsensegment für junge Firmen fehlt. In den USA hingegen gibt es zig solcher Unternehmen, beispielsweise Google, Amazon und Facebook.

MS: Trotz einer Vielzahl an positiven Beispielen kämpft der Gründerstandort Deutschland um internationale Anerkennung. Wo sehen Sie Handlungsbedarf, um bspw. zum Silicon Valley langfristig aufzuschließen?

RM: Wir brauchen eine Gründermentalität. In Schulen und Universitäten sollte schon vermittelt werden, dass eine Gründung etwas Tolles ist und Scheitern nichts Schlimmes. Der erste Weg von Absolventen sollte in die Gründung gehen. Zudem brauchen wir mehr Kapital. Der deutsche Startup-Markt ist zu illiquide, sowohl bezüglich der Finanzierungen, als auch bezüglich der Exits (siehe dazu auch die vorherige Antwort zur Börse). Ich denke, dass man große Finanzinstitute ermuntern sollte, neben viel Geld in Staatsanleihen auch einen kleinen Prozentsatz Ihrer Milliarden in Risikokapital zu investieren. Das würde sicherlich helfen.

MS: Mittlerweile sind Sie als Geschäftsführer Ihrer Shopping-Plattformen in 20 Ländern aktiv, beschäftigen rund 190 Mitarbeiter und arbeiten mit mehr als 6.000 Partnershops (u.a. Amazon, Otto und Zalando) zusammen. Was sind die nächsten Meilensteine?

RM: In vielen der Länder sind wir noch recht klein, hier wollen wir auf das Niveau unserer großen Länder wie Deutschland und Frankreich kommen. Zudem möchten wir in weitere Länder expandieren.

Zusätzlich werden wir unser Produkt weiter verbessern. Wir testen z. B. gerade eine Log-in Funktion, die den Nutzern noch mehr Möglichkeiten der Personalisierung bietet. Des Weiteren finden wir das Zusammenwachsen von On- und Offline eine spannende Entwicklung. Vielleicht entwickelt sich hier eine Möglichkeit für uns.

MS: Verraten Sie uns zum Abschluss doch bitte Ihr Erfolgsrezept. Welche Tipps können Sie jungen Gründern mit auf den Weg geben?

RM: Hm, das ist nicht leicht. Ich würde sagen: eine guten Idee zur richtigen Zeit, harte Arbeit, ein super Team und etwas Glück. Wichtig ist, nicht aufzuhören, nur weil es mal Gegenwind gibt. Als Unternehmer hast du am Tag manchmal 3 große Misserfolge, und am nächsten dann 3 große Erfolge. Das wechselt sich ab. Man muss ständig Entscheidungen treffen, hoffentlich mehr richtige als falsche. Das ist gar nicht so leicht, denn auch ich treffe ständig falsche Entscheidungen, aber bislang zum Glück noch mehr richtige.

Vielen Dank für das Gespräch!


 

One Response to Gründergespräch: Robert Maier, LadenZeile/ShopAlike

  1. Vielleicht ist der Deal mit Springer weniger medienwirksam gewesen. Aber R. Maiers Ladenzeile ist neben Idealo im Konzern ein absoluter Meilenstein der Veränderung in der Kochstraße.

    Gutes Interview!

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