Makers_Friedrich_A_Neuman

Mit dem Company Builder Makers unterstützt Serial-Entrepreneuer und Investor Friedrich A. Neuman Gründer in der der Umsetzung ihrer Geschäftsmodelle. Wir sprachen mit ihm über sein Erfolgsrezept, Branchentrends sowie Tipps für Gründer und Business Angels.

 

 

Hallo Herr Neuman, bitte stellen Sie sich und Makers doch kurz für unsere Leser vor.

FN: Hallo Herr Schrickel, zunächst möchte ich mich ganz herzlich für die Einladung zum Gespräch und die Möglichkeit bedanken, Makers den Thüringer Business Angels vorzustellen.

Ich selbst bin etwas weiter nördlich, in Berlin, als Serien-Unternehmer und Gründer von Makers tätig. Makers wurde Anfang 2013 von Marius Schulze und mir gegründet. Wir beide hatten schon immer viele Geschäftsideen. Es fehlte uns jedoch an der Zeit und Ressourcen, diese auch umzusetzen. Mit Makers haben wir deshalb einen Rahmen geschaffen, um den Start weiterer Unternehmen zu ermöglichen.

Wir verstehen Makers als einen Company Builder der einen Community-Ansatz verfolgt. Die Community besteht aus Startups, Gründern und Experten, die sich gegenseitig aktiv durch ihr Know-How und Know-Who unterstützen. Wir leben eine Kultur der offenen Tür und des gemeinsamen Austauschs und ebnen unseren Portfolio-Unternehmen so von Beginn an den Weg in spätere Wachstumsphasen. 

Vor der Gründung von Makers waren Sie u. A. als Co-Founder von Dropgifts, einer Social Gifting Platform aus dem Hause Rocket Internet, tätig. Was unterscheidet Makers von anderen Company-Buildern wie Rocket Internet, Team Europe oder Project A Ventures?

FN: Von klassischen Company-Buildern unterscheiden wir uns kulturell und wirtschaftlich.

Kulturell suchen wir die Zusammenarbeit mit Gründern, die bereits unternehmerische Erfahrung gesammelt haben. Gründer, die schon Mal gescheitert sind finden wir auch attraktiv. Man lernt aus dem Scheitern und wir müssen dadurch keine Lernkurve finanzieren. Geschäfstmodelle werden angeschoben, wenn Gründer in der entsprechenden Branche Erfahrung gesammelt haben. Öfter erkennen sie am Besten, wo Pain Points von Kunden und Unternehmen sind.

Auch wirtschaftlich gibt es sicher einige Unterschiede: Unser Fokus liegt zurzeit auf Geschäftsideen, die „nah am Geld“ sind und sich eher über viele Server als über viele Mitarbeiter skalieren lassen. Alle unsere Startups waren schon nach wenigen Monaten profitabel und haben ihr weiteres Wachstum aus dem Cashflow finanziert.

Eine Fremdfinanzierung schließen wir nicht grundsätzlich aus. Wir glauben aber, dass der Zeitpunkt stimmen muss: Eine Fremdfinanzierung, beispielsweise durch Venture Capital, stoßen wir erst nach einem Product-Market-Fit an. Das mag – vor allem in Kombination mit dem Bootstrapping-Ansatz – sehr bodenständig klingen. Diese fast schon mittelständische Art des Unternehmertums entspricht aber unserem Selbstverständnis.

Gemeinsam mit ihrem Makers Co-Founder Marius Schulze haben Sie bereits 2012 Run a Shop, einen globalen Betreiber von Produktsuchmaschinen, gegründet. Wie haben Sie sich kennengelernt und wie dürfen sich unsere Leser die Rollenverteilung bei Makers vorstellen?

FN: Marius kannte ich schon einige Zeit vor der Gründung von Run a Shop. Zur Gründung von Run a Shop haben wir uns aber erst im Laufe des Jahres 2012 entschlossen. Marius war bereits einige Jahre als Geschäftsführer der MaryMe GmbH aktiv, ich war Mit-Gründer von Dropgifts, das zwar international aktiv, insgesamt aber leider nicht erfolgreich war. Wir hatten insofern beide den Wunsch, etwas Neues zu starten.

Bei Makers haben wir eine klare Aufgabenteilung: Marius ist Experte für Online-Marketing und Produkt während ich mich um das Operative und um das Fundraising kümmere. Strategische Fragen und mögliche Investments besprechen wir aber selbstredend im Team.

Makers ist noch keine 2 Jahre alt. Bereits heute beschäftigen Ihre 11 Portfolio-Unternehmen mehr als 60 Angestellte und erzielen mehr als 35 Mio. € Umsatz. Ein ambitioniertes Wachstum – wie konnten Sie das bewerkstelligen?

FN: Eine unserer Stärken ist sicherlich der methodische Ansatz. Makers ist nicht nur eine Familie von Gründern und Experten, sondern auch ein großes Testlabor: Wir starten grundsätzlich immer lean und testen Ideen erst als Minimal Viable Product mit geringen Budgets, bevor wir in das weitere Wachstum investieren. Teure Fehlinvestments können wir so vermeiden.

Zudem ist die Umsetzung der erfolgreich getesten Ideen, also das operative Tagesgeschäft von zentraler Bedeutung für den Erfolg eines Startups. Unsere Portfolio-Unternehmen sind nicht auf sich allein gestellt, sondern profitieren von Beginn an vom Makers-Ökosystem. Wir stellen unseren Portfolio-Companies nicht nur bis zu 100.000 € Startkapital und Büroräume in Berlin-Mitte zur Verfügng, sondern stehen Gründern auch beratend zur Seite und unterstützen sie operativ – in den Bereichen UX/UI und IT beispielsweise genauso wie im Online-Marketing, in der Kommunikation sowie beim Recruiting und Product Management. Unsere Startups haben so ideale Startvoraussetzungen.

Neben Run a Shop sind aus Makers auch CASHBOARD (FinTech), Iconpeak (Mobile Performance Marketing), BidderPlace (Performance Marketing Marketplace) und Singlepoint (Software Development Outsourcing) hervorgegangen. Eine vielfältige Bandbreite an spannenden Projekten – wie entwickeln sich die einzelnen Unternehmen bisher?

FN: Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung unserer Portfolio-Unternehmen. Alle Startups unter dem Makers-Dach weisen hohe monatliche Wachstumsraten auf.

Iconpeak peilt in diesem Jahr an, den Umsatz zu verdoppeln während Singlepoint sich zunehmend als Software-Dienstleister für mittelständische Unternehmen am Markt etabliert. Und CASHBOARD hat nicht nur den „SevenVentures Pitch Day“ gewonnen, sondern steht auch kurz vor dem Abschluss einer größeren Finanzierungsrunden mit namenhaften institutionellen Geldgebern.

Welche Branchen sollten wir in den nächsten Monaten besonders beobachten, bzw. wo sehen Sie die großen Trends in diesem Jahr?

FN: Wir sehen uns zurzeit drei Themen besonders intensiv an: Mobile Commerce und Crowdinvesting. Mobile-First-Marktplätze birgen in unseren Augen enormes Potential, während Crowdinvesting in Deutschland unverändert ziemlich eindimensional gedacht wird und noch sehr auf das einmalige Funding zugeschnitten ist. Vertikalisierungen könnten in diese Bereich sehr spannend werden. Und nicht zuletzt steckt der gesamte FinTech-Bereich noch in den Kinderschuhen. Dieser Markt wird sich in den nächsten Monaten und Jahren enorm entwickeln.

Über das Company Building hinaus investieren Sie Ihr Kapital auch in andere Startups. In diesem Portfolio finden sich ebenfalls Unternehmen unterschiedlichster Bereiche. In welchen Phasen beteiligen Sie sich vorrangig?

FN: Wir steigen früh in Startups ein, meist schon vor dem Launch, spätestens aber bei der Seed-Runde. Marius Schulze war so einer der ersten Business Angels von ResearchGate, in das später auch Bill Gates investiert hat.

Neben den für Investoren günstigen Konditionen bietet dieser frühe Zeitpunkt des Investments auch die Möglichkeit, eng mit den Gründern zusammenzuarbeiten. So stehen wir Gründern beispielsweise beratend bei rechtlichen, strategischen und operativen Fragen zur Seite und helfen ihnen auch bei der Akquise weiterer Investoren.

Wie erfolgt dabei Ihre Auswahl?

FN: Wir achten auf zwei Dinge: das Geschäftsmodell und das Profil des Gründerteams. An guten Ideen mangelt es bei uns nicht. Vollblut-Gründer hingegen sind rar. Wer uns als Investoren gewinnen möchte, muss auch mit seiner Persönlichkeit überzeugen. Wir suchen Typen, die bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln und sich voll für den Erfolg ihres Startups einzusetzen.

Sie sind als Serial-Entrepreneur etabliert und hervorragend vernetzt. Was sind die nächsten Meilensteine – persönlich und bei Makers? Wo stehen Sie in 5 Jahren?

FN: Makers ist zurzeit noch ohne einen strategischen Partner unterwegs und – was die Größe und Breite des Portfolios betrifft – entsprechend limitiert in seinen Möglichkeiten. Wir führen deshalb zurzeit Gespräche mit potentiellen Investoren und strategischen Partnern, um die Kapitalbasis zu vergrößeren und als Company-Builder noch akiver zu werden. Auch für 2015 haben wir einige Gründungen geplant.

Verraten Sie uns zum Abschluss doch bitte Ihr Erfolgsrezept. Welche Tipps können Sie a) jungen Gründern und b) unseren interessierten Business Angels mit auf den Weg geben?

FN: Gründer sollten möglichst früh ein tiefes Verständnis für ihre eigenen Zahlen und die tatsächlichen Bedürfnisse ihrer Zielgruppe entwickeln und nicht davor zurückschrecken, sich selber Fehler einzugestehen. „Fail fast, fail cheap“ ist als Credo vielleicht etwas abgegriffen. Im Grunde ist der Weg zum Erfolg für Startups aber lang, windungsreich und steinig. Zudem glaube ich an und lebe nach dem „Leading by example“-Leitsatz: Nur wer mit gutem Beispiel vorangeht, animiert sein Team zu Höchstleistungen.

Für Investoren ist die aktuelle Situation auf den ersten Blick recht komfortabel: In Berlin, Hamburg und anderen Städten sind die Weichen für die Startup-Ökonomie auf Wachstum und Erfolg gestellt. Die zahlreichen neuen Startups, die jeden Monat gegründet werden, sorgen allerdings auch für Unübersichtlichkeit. Wer etwas außerhalb der Hotspots lebt und keinen direkten Zugang zur Szene hat, ist sicher gut beraten, sich mit anderen, szenekundigen Investoren zusammenzuschließen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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